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Büro der Zukunft: Braucht man mit Smart-Brille noch einen Schreibtisch?

Die RayNeo iO Smart-Brille mit schlankem schwarzem Rahmen liegt auf einer hellen Metallfläche

Foto: RayNeo

Auf der IFA 2026 in Berlin stellte RayNeo seine neue Smart-Brille vor – leicht wie eine normale Brille, mit KI-Assistent und virtuellem Großbildschirm. Für uns als Büro-Expertinnen stellt sich dabei eine ganz grundsätzliche Frage: Wie müssen Büros von morgen aussehen, wenn der Bildschirm bald auf der Nase sitzt?

Was RayNeo auf der IFA zeigt

Laut IFA-Programm stellte RayNeo am 3. September 2026 in Halle 21 der Messe Berlin seine neuen Smart Glasses vor. Die RayNeo iO verbindet das Aussehen einer herkömmlichen Brille mit einem persönlichen KI-Begleiter. Sie soll die Smartphone-Nutzung reduzieren und im Alltag, beim Lernen und auch in Meetings unterstützen.

Noch deutlicher wird der Schritt bei der RayNeo GT Max: Die AR-Brille projiziert ein virtuelles Display mit bis zu 307 Zoll direkt vor die Augen, mit räumlichem Audio und einem Gewicht von gerade einmal 78 Gramm. Ein Monitor, so groß wie eine Kinoleinwand – und er passt in die Jackentasche.

Das ist keine Zukunftsmusik mehr: Die GT Max ist seit September 2026 erhältlich, laut Preisvergleichen für rund 450 Euro.

„Braucht man dafür noch einen Schreibtisch?“

Über genau dieses Thema habe ich mit einem Branchenkontakt gesprochen. Die Antwort war trocken und entwaffnend:

„Braucht man hierfür noch einen Schreibtisch? Da kann man auch im Flugzeug sitzen und arbeiten.“

Ein provokanter Satz, aber er trifft einen Kern: Wenn Bildschirm, Assistent und Videokonferenz auf der Brille stattfinden, ist der klassische Arbeitsplatz mit Tisch, zwei Monitoren und Kabelsalat nicht mehr der Mittelpunkt.

Was bleibt, wenn der Monitor wegfällt?

Die Frage ist nicht, ob wir morgen noch Büros brauchen – sondern wofür. Ich glaube: Das Büro verliert seine Funktion als „Ort, an dem der Rechner steht“ und gewinnt sie als Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Dafür braucht es andere Dinge als Schreibtischreihen:

  • Begegnung statt Bildschirmplatz: Lounges, Teamflächen und Räume für Workshops, Kreativrunden und Kennenlernen.
  • Ruhe zum Fokussieren: Rückzugsorte und Telefonboxen, denn auch mit Brille braucht man Konzentration (und mit Audio im Ohr umso mehr akustische Ruhe).
  • Flexible Flächen: Räume, die sich schnell umnutzen lassen, statt fester Arbeitsplätze, die die Hälfte der Woche leer stehen.
  • Gute Technik im Hintergrund: stabiles WLAN, saubere Akustik, Ladepunkte – die Infrastruktur wird wichtiger als das Mobiliar.
  • Gastgeberqualität: Ein Büro, in dem man sich gerne trifft, mit Kaffee, Licht, Pflanzen und Service.

Ein Gutes hat es: Das Büro wird wieder zum Treffpunkt

Von den jüngeren Generationen heißt es oft, sie kämen kaum noch vor die Tür und würden deshalb seltener jemanden kennenlernen, auch privat. Wenn Arbeit, Einkaufen und Unterhaltung immer häufiger von überall aus funktionieren, wird das Büro zwangsläufig wieder zu einem Ort, an den man gerne kommt, weil man dort jemanden trifft.

Und wer weiß, wohin das führt: Meine Großeltern haben sich im „Tanzkaffee“ kennengelernt. Vielleicht sagt die übernächste Generation einmal: „Meine haben sich im Büro kennengelernt. Sie waren im gleichen Workshop, als sie mal kein Homeoffice gemacht haben.“

Warum Flex-Office die beste Antwort ist

Meiner Meinung nach sind Flex-Office-Optionen genau die Art von Büros, die sich am besten auf diese Entwicklung einstellen können. Der Grund ist einfach: Hier ist Veränderung eingebaut.

  • Räume wandeln sich kurzfristig: Ein Büroraum wird bei Bedarf zum Meetingraum, ohne Umbau und ohne neuen Mietvertrag.
  • Flächen werden anders genutzt: Wo gestern Schreibtische standen, entsteht heute eine Kollaborationsfläche für Workshops, Brainstormings oder Teamtage.
  • Das Büro wächst und schrumpft mit: Heute zwei Leute, nächste Woche ein Workshop mit zwanzig. Flexible Laufzeiten und zubuchbare Räume machen das möglich.
  • Community und Service sind inklusive: Austausch vor Ort, Gastgeber, Kaffee, Technik. Genau das, was Smart Glasses allein nicht liefern können.

Ein klassisches Büro mit Festmietvertrag über fünf oder zehn Jahre und fest eingebauten Arbeitsplätzen tut sich damit deutlich schwerer. Wer heute nicht weiß, wie sein Team in drei Jahren arbeitet (und das weiß gerade niemand), ist mit flexiblen Flächen besser aufgestellt.

Mein Fazit

Ob die Smart-Brille morgen schon den Monitor ersetzt, wird sich zeigen. Die Richtung ist aber klar: Arbeit wird ortsunabhängiger, und das Büro muss sich seinen Platz neu verdienen. Der Schreibtisch wird vermutlich nicht verschwinden, aber er wird nicht mehr das Wichtigste sein. Die Büros von morgen sind Treffpunkte, Rückzugsorte und Kollaborationsflächen, und sie müssen sich schnell verwandeln können. Das ist die große Stärke von Flex-Office.